Re: Genitum non factum (07.07.2006 by 84.170.222.11)

Gesendet von Christof Müller


Lieber Herr Dr. Kleber,
die Unterscheidung zwischen "zeugen" und "schaffen" gehört zu den "essentials" der biblisch-christlichen Gottes- und Schöpfungslehre. Sie findet sich allerorten im augustinischen Oeuvre, aber selbstredend auch darüber hinaus, z.B. ausdrücklich im nizäo-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis, angedeutet wohl bereits im Gottes- und Schöpfungsbild der Bibel. Augustinus hat zur Schärfung der Unterscheidung von "generare" und "creare/facere" durch seine Theologie freilich entscheidend beigetragen, unter andererem indem er das "consubstantialis" (der von Ewigkeit gezeugte Gottessohn hat dieselbe göttliche Substanz wie der zeugende Gottvater) des Glaubensbekenntnisses von Nizäa rezipiert und z.B. gegen anderslautende Lehren der Maximianisten geltend gemacht hat. Umgekehrt hat er in seiner Schöpfungslehre massiv den Gedanken der "creatio ex/de nihilo" apostrophiert: die geschaffene Welt ist nicht von göttlicher Substanz, da sie zwar nach Gottes Ideen, aber zugleich aus dem Nichts geschaffen ist und daher das absolute Gutsein, Schönsein und Wahrsein des Göttlichen nur gebrochen und in endlicher Depotenzierung widerspiegelt.
Vertiefendes zu Ihrer Fragestellung werden Sie in jeder guten theologischen Schöpfungslehre finden, sei es unter eher dogmengeschichtlichem, sei es auch unter eher systematischem Gesichtspunkt.

Mit guten Wünschen für Ihre Augustinus-Studien und freundlichen Grüßen vom ZAF,
Dr.Dr.habil. Christof Müller


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